HARD FACTS ZUM KAFFEEANBAU

Es war kein Geheimnis für uns, dass Kaffeeanbau in vielerlei Hinsicht ein hartes Geschäft ist. Jeder, der sich mit dem Thema etwas mehr beschäftigt, kann die verschiedenen Probleme leicht identifizieren. Alles geballt vor Ort zu sehen und zu erleben hat uns trotzdem nochmal sensibilisiert.

Aus Sicht eines Kaffee-konsumierenden westlichen Landes verlangen wir sehr viel von den Kaffeebauern. Jahrzehntelang haben wir Kaffee sehr schlecht bezahlt und dadurch unökologisches Verhalten und soziale Ausbeutung mindestens billigend in Kauf genommen oder sogar gefördert (z.B. intensiven monokulturellen Anbau, um überhaupt konkurrenzfähige Erträge zu erwirtschaften). Jetzt verlangen wir mehr und mehr eine Entwicklung zu nachhaltigem Anbau, die Kaffeebauern sollen sich von westlichen Organisationen zertifizieren lassen und sich wie Konzerne verhalten. Dabei leben die meisten Kaffeebauern immer noch gedanklich von Ernte zu Ernte und sind abhängig vom volatilen Börsenpreis, der sich vor allen Dingen schlicht nach Angebot und Nachfrage orientiert.

Im Rückblick auf unsere Zeit auf der Farm empfinden wir es fast als beschämend strenge Regelungen auferlegen zu wollen und gleichzeitig den Elefanten im Raum zu ignorieren: Die zu niedrigen Preise.

FÜR DEN KAFFEEANBAU WIRD ZU WENIG BEZAHLT

Für Kaffee wird zu wenig bezahlt, Schluss. Ende. Aus.
Mit Commodity Coffee (Industriekaffee, niedrige Qualitäten, Stichwort Supermarktkaffee) ist für Isabel z.B. kein Geld zu verdienen. Würde sie nur für diesen Markt produzieren, hätte sie die Farmen schon schließen können. Im Tecuamburro sieht man viele nicht mehr bewirtschaftete Farmen, deren Besitzer aufgegeben haben.
Die Fincas Herrarte funktionieren wirtschaftlich über Specialty Coffee. Das können wir uns, aber auch andere Röstereien in diesem Spektrum, auf die Fahne schreiben. Aber wir verlangen dafür auch Einiges:

  • Transparenz in Bezug auf Anbaubedingungen, Varietäten-reine Lots
  • Selektive Ernte, langsame natürliche Trocknung
  • Top Sortierung in der Dry Mill (ca. 20% werden dort dann noch aussortiert und sind B-Ware)
  • Bevorzugung von qualitativ hochwertigen Varietäten mit geringerem Ertrag

Das alles sind Punkte, die den Kaffee in der Produktion deutlich aufwendiger, deshalb teurer machen. Als Rösterei bezahlen wir also nicht einfach nur mehr für den gleichen Kaffee aus Nettigkeit, sondern uns muss bewusst sein, dass wir dafür auch deutlich mehr von den Kaffeebauern verlangen.

WIR SIND ENGAGIERT – ES GEHT ABER NOCH MEHR

Wir sind stolz auf unser bisher Erreichtes. Alle unsere Kaffees sind transparent gehandelt. Wir kennen und veröffentlichen unsere Einkaufspreise. Die Preise mit Isabel verhandeln wir direkt und auf Augenhöhe.
Wir versuchen das mit allen unseren Partnern. Auch sind wir stolz darauf unser Marketing weiterhin so zu betreiben, wie wir es für uns vorgenommen haben: Einfach und Ehrlich.
Es gibt sehr viele Röstereien, die mit blumigen, aber leeren Worten, schon lange aggressives Marketing betreiben: Direct Trade, handselektiert, nachhaltig, fair. Draußen auf dem Feld muss man feststellen, dass davon wenig ankommt und viele Röstereien kein Engagement zeigen etwas an den aktuellen Spielregeln zu ändern.

WAS SIND FAIRE PREISE FÜR DEN KAFFEEANBAU?

Wenn eine Rösterei behauptet faire Preise zu zahlen, dann suggeriert sie, dass es unfaire Preise gibt und sie mehr bezahlt. Dann muss man auch einfordern dürfen zu erfahren was “mehr” bzw. “fair” denn genau ist. Vielleicht sind es manchmal auch andere Maßnahmen oder Unterstützungen aber auch dann muss man erwarten, dass dies dargelegt wird. Ansonsten ist ein Kaffee von einer solchen Rösterei für den Ursprung evtl. nicht besser als stinknormaler und oftmals schlecht geredeter Fairtrade Kaffee.

WAS KÖNNEN WIR FÜR BESSERE KAFFEEANBAUBEDINGUNGEN TUN?

Wir müssen für uns noch festlegen, wie wir mit diesen Eindrücken umgehen und für uns Schlüsse ziehen. Erstmal haben wir uns vorgenommen unseren langfristigen Rohkaffeepartnern Jahr für Jahr mehr für die Ernte zu bezahlen. Ob wir uns hier prozentual festlegen, müssen wir noch überlegen. Damit möchten wir uns schonmal abkoppeln von den üblichen Regeln des Kaffeemarktes.
Wir, und damit meinen wir alle Beteiligten im Kaffeehandel, müssen endlich dorthin kommen, das Leben von Kaffeefarmern und ihren Arbeitern nachhaltig und stetig zu verbessern. Der Wohlstand in Kaffee anbauenden Ländern stagniert oder sinkt sogar. Obwohl die Kaffee-Preise mit Corona gestiegen sind, ist es weiterhin kein Problem ein Kilo Kaffee im Supermarkt für 10€ zu kaufen, obwohl auch diverse andere Kosten gestiegen sind.
Wenn wir als Gesellschaft nicht akzeptieren wollen, dass Menschen in Armut leben, die unseren täglichen Kaffeekonsum sicherstellen, dann müssen wir mehr für Kaffee zahlen.

Wir wünschen uns, dass die Kaffeebauern, mit denen wir zusammenarbeiten, im besten Fall Jahr für Jahr eine Besserung ihrer Bedingungen vorfinden, dass sie Teilhabe und Mitsprache im Handel haben, dass sie langfristig planen und investieren können, dass sie ihre Mitarbeiter durch faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen halten können und dass sie endlich ihren gerechten Anteil an der Wertschöpfung von Kaffee erhalten.
Nach der Erfahrung auf den Fincas Herrarte, müssen wir realisieren, dass auch Specialty Coffee und unsere dafür bezahlten Preise nicht ausreichen, um die Zukunft von Kaffeefarmen zu sichern und vor allem zu verbessern

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